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21.06.2007 08:39 Alter: 9 yrs
Kategorie: Blog
Von: Steffen Widenmeyer

Junge Raser

Ein Blick zum Überholer: Jung, leicht mit dem Körper wippend, dumpfe Musik dröhnte an mein Ohr. Klares Urteil: ein junger Raser. Und während ich noch versuchte, meinen Wagen wieder unter Kontrolle zu bekommen, noch ein kurzer Blick auf das Heck des Wagens, von welchem mir ein „Jesus liebt Dich“ entgegen blickte.


Steffen Widenmeyer

Steffen Widenmeyer

Es war ein wirklich auferbauender Abend gewesen - zumindest für meinen Geschmack. Aber ich bin ja auch schon ein etwas älterer Typ, und von daher gab es wie immer sicherlich auch einige, welchen der Abend nicht gefallen hatte. Noch ganz beseelt davon fuhr ich nach Hause - innerlich beschwingt, äußerlich vielleicht einen kleinen Takt zu wenig zackig; zugegeben, vielleicht war ich noch etwas entrückt.

Man(n) hätte die Straße schneller befahren können, und im Normalfall hätte ich das auch gekonnt. Aber die doch teilweise sehr unübersichtliche Straßenführung erlaubte natürlich auch meinen Fahrstil. Daher erschrak ich auch, als kurz vor einer unübersichtlichen Stelle ein Wagen mit hoher Geschwindigkeit hinter mir auftauchte und trotz Gegenverkehr sehr dicht auffuhr, um im letzten Augenblick auszuscheren – und mich im unübersichtlichsten Teil der Strecke zu überholen!

Ein Blick zum Überholer: Jung, leicht mit dem Körper wippend, dumpfe Musik dröhnte an mein Ohr. Klares Urteil: ein junger Raser. Und während ich noch versuchte, meinen Wagen wieder unter Kontrolle zu bekommen, noch ein kurzer Blick auf das Heck des Wagens, von welchem mir ein „Jesus liebt Dich“ entgegen blickte. Auch noch ein jugendlicher, christlicher Raser! Na ja, etwas besänftigt, das mich ein „Bruder im Herrn“ überholt hatte, und noch in Gedanken, dass vielleicht eher er Jesu Liebe bei diesem Fahrstil benötigt, lehnte ich mich doch entspannt in meinem Sitz zurück und konzentrierte mich wieder auf die Straße, die bei Dunkelheit und einsetzendem Regen nicht gerade leichter befahrbar wurde. „Wutsch“, an mir vorbei auf der Gegenfahrbahn sauste von hinten erneut ein Auto vorbei. Dieses Mal prangte mir ein „Komm doch zu Jesus“ entgegen, wobei ich mir dachte: „Wenn Du weiterhin so saumäßig fährst, stehe ich Jesus schneller gegenüber als mir lieb ist!“

Gut, ich will nicht nachtragend sein, aber vielleicht doch ein kleiner Hinweis für die jüngeren Männer, nein, überhaupt für Männer mit einem anderen Fahrstil als der Mann, der vor dir im anderen Wagen sitzt: Geduld und Zurückhaltung sind Tugenden, die wir im Straßenverkehr ganz gut gebrauchen können. Geduld ist ja bekanntlich das, was wir vom Hintermann erwarten, aber für den Vordermann selbst nicht aufbringen.

In diesem Sinne gute Fahrt!

 

Steffen Widenmeyer ist Diplom-Verwaltungswirt und leitet die örtliche Männerarbeit "mannOmann".


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